Warum das ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile.

Teil 1: M – Modell

BIM wird allgemein als ein intelligenter Prozess in Planung, Realisierung und Management von Bauvorhaben betrachtet. Grundlage für diesen Prozess ist eine Datenbank, in der alle benötigten Informationen gesammelt, kombiniert und ausgewertet werden. Das Building Information Model ist dabei ein idealtypisches Beispiel für die aristotelische Logik, dass ein Ganzes mehr sein kann, als die Summe seiner Teile.

Der Mehrwert, der sich aus der Verknüpfung der verfügbaren Informationen ergibt, birgt Chancen und Herausforderungen: Chancen, das Bauvorhaben effizienter, schneller und mit höherer Planungssicherheit abzuwickeln, zugleich die Herausforderung, die wesentlichen Informationen zum richtigen Zeitpunkt verfügbar zu haben und nicht in einer Flut von Daten unterzugehen.

Dabei müssen Arbeits- und Denkweisen diesem Prozess angepasst werden, was bedeutet, sich nicht nur mit einer neuen Software auseinanderzusetzen. Das Gebäude wird eher in seinen Bestandteilen programmiert, als ‚nur‘ konstruiert, der Informationsgehalt steigt mit dem Fortschreiten der Planung an, was über ein gezieltes Informationsmanagement gesteuert werden muss. In diesem Kontext vorab der Hinweis auf die Fragestellung nach der Vereinbarkeit von Leistungsphasen nach HOAI und dem LOD (Level of Detail).

In dieser losen Folgen von Beiträgen beleuchten wir die verschiedenen Aspekte des BIM Workflows aus Anwendersicht. Beginnend betrachten wir das Skelett des Building Information Model, das 3D-Modell.

M – Model

Pläne sind die Sprache der Architekten und Ingenieure. Das Modell, also der visualisierte Entwurf, ist der direkte und greifbarste Anknüpfungspunkt an die klassische CAD Arbeitsweise: Aus 2D-Handzeichnungen wurden in den 80er Jahren digitale 2D-Zeichnungen, die sich in den 90ern zu 3D-Zeichnungen und digitalen 3D-Modellen entwickelten, die nun 3D-Visualisierungen einer Datenbank sind, die mit Informationen angereichert werden kann.
Dadurch, dass eine räumliche, mit Informationen zu spezifischen Eigenschaften versehene Geometrie vorhanden ist, die visualisiert wird,   ist der Planer in Echtzeit in der Lage, die Fügung und das Zusammenspiel der geometrischen Elemente zu prüfen, muss sich aber auch sehr früh im Entwurf schon zu Entscheidungen zwingen, die sonst eher in spätere Leistungsphasen des Entwurfs vorkamen (exakte Passung von Treppenläufen z. B.). Ein klassisches Beispiel hier ist die Prüfung von Kollisionen zwischen Fenstern und Stützen, Pendelleuchten und dergleichen. Die Elemente wissen, wo im Raum sie verortet sind, in welche Richtung Fenster und Türen aufschlagen. Das an sich ist nicht unbedingt neu, interessant wird es dann, wenn Änderungen in die Planung eingearbeitet werden, die an einer Stelle des Entwurfes funktionieren, aber an einer anderen Stelle Probleme verursachen, z.B. Änderung des Stützendurchmessers durch fortgeschrittene Angaben seitens der Statik.

Wird das Projekt nun interdisziplinär BIM bearbeitet, ergibt sich zudem die Möglichkeit, visuelle Kollisionsprüfungen vorzunehmen und sehr rasch und eindeutig Zwangs- und Knotenpunkte in der TGA-Planung durchzuführen. Diese Methodik, schon seit vielen Jahren bei Fachplanern vor allem im Pharma- und Forschungsbau praktiziert (Stichwort Cave), ist ein wesentlicher Qualitätssprung auch im Büro- und auch klassischen Wohnungsbau. Änderungen und Korrekturen kosten Geld, je später in der Bauphase sie vorgenommen werden (10er Regel). Je früher sie (automatisch) erkannt werden oder gar nicht erst auftreten, desto höher die Planungssicherheit für alle Beteiligten.

Ein Mehrwert im BIM ist die (halb-)automatisierte Prüfung der Modelle gegeneinander, die es z. B. beim Import schon ermöglicht, die Qualität und Plausibilität einer Fachplanung zu prüfen und diese bei Überschreitung einer gewissen Fehlertoleranz nach den erstellten Prüfprotokollen überarbeiten zu lassen – ohne dass Mannstunden auf eine manuelle Prüfung aufgewendet werden müssen.

Alleine die räumliche und mit grundlegenden Parametern versehene Virtualisierung des Entwurfes (der Datenbank) hat in unseren Projekten deutliche Auswirkungen auf die Art und Weise, wie entworfen und (zusammen-) gearbeitet wird. Die Kommunikation mit (internationalen) Fachplanern ist eindeutiger, rascher und mit erheblich weniger ‚Missverständnissen‘ und höherer Sicherheit in der Ausführung belegt. Auftretende geometrische Probleme werden quasi ‚live‘ sichtbar. Dazu können Workflows und Verantwortlichkeiten eindeutiger benannt und zielgerichteter verfolgt werden, Qualitätsstandards in der Zuarbeit können klar definiert und eben auch geprüft werden.

Dieser positive Effekt verstärkt sich, wenn wir im nächsten Beitrag den zweiten Aspekt der BIM-Planung in die Betrachtung aufnehmen: Die Information, mit der das Modell angereichert wird.

 

 

Autor

André Friedel arbeitet seit 2013 für AS&P, unter anderem Mitarbeit ECB New Premises Frankfurt und Ministry of Commerce and Investment in Riyadh, KSA. Seit 2014 ist der Teil der AS&P BIM Implementierungs Task-Force.